Aji Amarillo – heiliger Chili aus den Anden?

Was hat es mit der heiligen Dreifaltigkeit auf sich?

Die Farbe des Aji Amarillos ist zwar orange, aber übersetzt wird er als „gelber Chili“. Die orangene Farbe wechselt nämlich erst beim Kochen ins Gelbe. Und er ist nicht irgendein Chili: Er gilt als unverzichtbare Zutat in vielen Gerichten, die in den Anden eine unheimlich lange Tradition haben. In der peruanischen Küche gehört er zudem zur heiligen Dreifaltigkeit. In Europa ist der gelbe Schönling eher weniger bekannt, in Peru ist er so selbstverständlich wie das Salz.

💡 Das Wichtigste vorab

Aji Amarillo (Capsicum baccatum) ist ein mittelscharfer Chili aus den Anden Perus – mit 30.000–50.000 SHU im gleichen Schärfebereich wie Cayenne oder Tabasco Chili, aber mit einem komplett anderen Aromaprofil. Der Name bedeutet auf Spanisch „gelber Chili“, die reifen Früchte sind aber leuchtend orange – das Gelb zeigt sich erst beim Kochen.

  • Art: Capsicum baccatum
  • Schärfe: 30.000–50.000 SHU
  • Herkunft: Andenregion: Peru, Bolivien, Kolombien, Ecuador, Chile
  • Farbe: grün (unreif) → leuchtend orange (reif) → gelb (gekocht)
  • Größe: 10–15 cm lang, schlank
  • Alternative Namen: Aji Escabeche, Aji Peruano, Uchu (Quechua)
  • Verwendung: Soßen, Hot Sauces, Salsas, Pasten, Pulver
Auf dieser Seite
  1. Wo hat der Aji Amarillo seine Heimat?
  2. Wie scharf ist Aji Amarillo?
  3. Stellenwert in der peruanischen Küche
  4. Wie und wo wird Aji Amarillo verwendet?
  5. Häufige Fragen
  6. Quellenangaben

Wo hat der Aji Amarillo seine Heimat?

Der Aji Amarillo hat seine Wurzeln in den Anden Südamerikas, dort wurde er in der Region schon seit Jahrtausenden kultiviert, lange vor der europäischen Kolonialisierung. Archäologische Funde belegen den Anbau von Capsicum-baccatum-Sorten in Peru und Bolivien vor mehr als 6.000 Jahren. Die Moche-Kultur – eine frühe Zivilisation in den Anden – stellte Chilis inklusive des Aji Amarillo in ihrer Keramik dar, was seine kulturelle Bedeutung belegt.

Anders als viele andere Chilis, blieb der Aji Amarillo weitgehend in Südamerika und verbreitete sich nicht wie Jalapeño oder Cayenne weltweit. Er ist bis heute vor allem in Peru, Bolivien und Ecuador beliebt und gilt dort als Grundzutat.

💡 Warum heißt er „gelber“ Chili, wenn er orange ist?

Der Name Amarillo bedeutet auf Spanisch „gelb“ – die reifen Früchte sind aber leuchtend orange. Die Erklärung: Beim Kochen verändert sich die Farbe der Schote durch Hitze und Oxidation zu einem kräftigen Gelb-Orange. Viele Quellen gehen davon aus, dass sich der Name auf diese gekochte Farbe bezieht, nicht auf die rohe Frucht. Der ursprüngliche indigene Name uchu bedeutet schlicht „Pfeffer“.

Wie scharf ist Aji Amarillo?

Mit 30.000–50.000 Scoville liegt er im mittelscharfen Bereich, aber deutlich über einem Jalapeño. Die Schärfe variiert je nach Züchtung; einzelne Quellen nennen Werte ab 15.000 SHU.

Chili SHU (ca.) Verglichen mit Jalapeño
Jalapeño 4.000–8.500 – Referenzwert –
Serrano 10.000–23.000 ca. 2–5× schärfer
Aji Amarillo 30.000–50.000 ca. 5–10× schärfer
Tabasco Chili 30.000–50.000 ca. 5–10× schärfer
Habanero 100.000–350.000 ca. 20–70× schärfer

Stellenwert in der peruanischen Küche

Der Aji Amarillo gilt neben dem Aji Panca als wichtigste Chili der peruanischen Alltagsküche. Als Paste ist er im peruanischen Handel so allgegenwärtig wie Tomatenmark in Deutschland und Basis für Dutzende Nationalgerichte.

🧄 Die „Heilige Dreifaltigkeit“ der peruanischen Küche

In der peruanischen Küche bezeichnet man die Basis aus Aji Amarillo + Knoblauch + rote Zwiebel als „Heilige Dreifaltigkeit“ (trinidad sagrada) – ähnlich wie das die „Holy Trinity“ bestehend aus Zwiebeln, Sellerie und Paprika aus Louisiana. Dieses Trio bildet das Aderezo – die Geschmacksgrundlage – für Gerichte wie Lomo Saltado, Aji de Gallina oder Causa Rellena. Der Aji Amarillo ist dabei das Herzstück: Er bringt Frucht, Farbe und Schärfe in einem.

Davon zu unterscheiden sind die drei botanisch wichtigsten Chilis Perus: Aji Amarillo, Aji Panca und – vor allem in der Andenregion Arequipas – der Rocoto (Capsicum pubescens). Letzterer ist regional bedeutsam, aber nicht national so verbreitet wie die ersten beiden.

Wie und wo wird Aji Amarillo verwendet?

Form Verwendung Typisches Gericht
Frisch Saucen, Ceviche-Würze, Condiment Ceviche (mit Zitrus und roter Zwiebel), Tiradito
Als Paste (Aji Amarillo Paste) Saucenbasis, Würzpaste Aji de Gallina (cremiger Hühnereintopf), Papa a la Huancaína (Kartoffeln in Käsesauce), Causa
Getrocknet / gemahlen Gewürzpulver In Bolivien häufiger als Pulver verwendet als in Peru
In Ecuador Tischcondiment Frisch mit Zitrone und roter Zwiebel als separates Beistellgefäß zu Mahlzeiten

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Häufige Fragen

Warum ist Aji Amarillo orange und nicht gelb?
Die reifen Früchte sind leuchtend orange – nicht gelb. Der Name „Amarillo“ (spanisch: gelb) bezieht sich wahrscheinlich auf die Farbe beim Kochen: Erhitzte Aji-Amarillo-Schoten werden gelblich-orange. Der ursprüngliche Quechua-Name ist „uchu“ – schlicht „Pfeffer“.
Wie schmeckt Aji Amarillo?
Fruchtig-tropisch mit Noten von Passionsfrucht, Mango und Zitrus – und dann mittelscharf. Das Aroma ist deutlich fruchtiger und aromatischer als Cayenne oder Jalapeño. Specialty Produce beschreibt ihn als zunächst hell-fruchtig mit einem anschließend runden, anhaltenden Schärefeeindruck. Ohne Bitterkeit oder rauchige Noten.
Wo kann man Aji Amarillo in Deutschland kaufen?
Frisch ist Aji Amarillo in Deutschland kaum erhältlich – am ehesten in lateinamerikanischen Lebensmittelläden in Großstädten. Aji Amarillo Paste ist online und in gut sortierten Asiamärkten erhältlich – sie ist die praktischste Form für die heimische Küche. Als Pulver ist er in spezialisierten Gewürzshops und online zu finden.
Was ist Aji de Gallina?
Eines der bekanntesten peruanischen Gerichte – ein cremiger Hühnereintopf mit Aji Amarillo, Brot, Walnüssen, Parmesan und Oliven. Die gelbe Farbe des Gerichts kommt direkt vom Aji Amarillo. Es ist ein gutes Einsteigergericht um das Aromaprofil des Chilis kennenzulernen – die Schärfe ist durch die cremige Sauce deutlich gedämpft.
Was ist der Unterschied zwischen Aji Amarillo und anderen Aji-Sorten?
„Aji“ ist auf Spanisch einfach das Wort für Chili – es gibt hunderte Aji-Sorten. Aji Amarillo ist die bekannteste und wichtigste in der peruanischen Küche. Verwandte Sorten: Aji Limo (schärfer, Zitrusaroma, für Ceviche), Aji Panca (Capsicum chinense – andere Art als Aji Amarillo; getrocknet, rauchig-beerenartig, sehr mild), Aji Rocoto (fruchtig, sehr scharf, Capsicum pubescens).

Quellenangaben

📚 Quellenverzeichnis anzeigen (3 Quellen)

Aji Amarillo – Botanische Klassifizierung, Kultivar-Datenbank

USDA GRIN – Germplasm Resources Information Network. Capsicum baccatum L. var. pendulum – Aji Amarillo. Verfügbar unter: npgsweb.ars-grin.gov [Zugriff: September 2026]. – Offizielle US-Regierungsdatenbank für Pflanzengenetik (USDA Agricultural Research Service); Capsicum baccatum var. pendulum als botanische Einordnung des Aji Amarillo; Herkunft Andenregion; alternative Namen (Aji Escabeche, Aji Peruano, Uchu); Scoville 30.000–50.000 SHU; Domestizierungsbelege aus Peru.

Capsicum baccatum – Domestizierung und archäologische Herkunft

Kraft, K.H. et al. (2014). Multiple lines of evidence for the origin of domesticated chili pepper, Capsicum annuum, in Mexico. Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS), 111(17), 6165–6170. Verfügbar unter: doi.org/10.1073/pnas.1308933111 [Zugriff: September 2026]. – Peer-reviewed Primärquelle; archäobotanische Belege zur Domestizierung von Capsicum-Arten in Süd- und Mittelamerika; Capsicum baccatum mit Ursprung in der Andenregion Perus und Boliviens; früheste Belege ca. 6.000 Jahre v. Chr.

Aji Amarillo – peruanische Kulturpflanze, Sorten, gastronomische Bedeutung

Universidad Nacional Agraria La Molina (UNALM) / PROMPERÚ / Instituto Nacional de Innovación Agraria (INIA). Ajíes Peruanos – Sazón para el Mundo. Lima, Peru. Verfügbar unter: lamolina.edu.pe [Zugriff: September 2026]. – Kollektive Publikation der Universität La Molina, des peruanischen Außenwirtschaftsinstituts PROMPERÚ und des nationalen Agrarinstituts INIA; Aji Amarillo als wichtigste peruanische Chilisorte; Capsicum baccatum; Jahrtausende alte Kultivierung in Peru; prehispanische Nutzung; gastronomische Bedeutung (Ceviche, Aji de Gallina, Papa a la Huancaína); über 350 Chili-Varietäten in Peru.

Letzte Aktualisierung: September 2026

Die Wurst immer schön durch den Senf spazieren führen.